Was ist Wahrheit? (Joh. 18,38) Diese Frage des Pilatus kennen wir aus der Passionsgeschichte. An dieser Stelle bleibt sie offen und ist somit an uns alle gestellt. Im Evangelium gibt Christus uns die Antwort: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh. 14,6) Christus selbst, seine Worte, sein Leben und Leiden ist Wahrheit.
Pilatus zeigt Christus dem Volk mit den Worten Seht, welch ein Mensch! (Joh. 19,5) Welche wahren Worte Pilatus damit sagt, war ihm unbewusst. Der Mensch, umgeben von der verlorenen Menschheit. An Christus sehen wir, wie der Mensch gemeint und bestimmt ist, worauf es wirklich ankommt und was das wahre Leben ist. Nur wer sich an ihm orientiert, und seinen Worten treu und gewissenhaft folgt, der ist auf dem rechten Weg der Wahrheit – auf dem Lebensweg. Wer sich von Christus und seinem Wort abkehrt, geht unweigerlich in die Irre und ist auf dem Abweg ins Dunkle hinein. Wie Petrus am Karfreitag: Dreimal verleugnete er Christus, dem er alles verdankt und den er doch liebt. Jedoch als es darauf ankommt, sich zu Christus zu bekennen, schämt er sich dessen, dass er zu ihm gehört. Aus Furcht vor anderen kehrt er sich von Christus ab.
Die Verlegnung Jesu geschieht nicht nur durch Worte, sondern indem wir nicht tun, was er sagt. Wir verleugnen Christus unseren Herrn, wenn wir nicht nach seinem Gebot und Wort leben und handeln, sondern uns anpassen an das, was von uns womöglich erwartet wird oder was gerade allgemein angesagt, zeitgemäß und populär ist. Wir verleugnen Christus, wenn wir – wie Petrus – das Kreuz Christi meiden und uns aus seine Nachfolge herausstehlen, falls es uns unangenehm, etwas kosten beziehungsweise Nachteile oder Opfer erfordern würde. Das Kreuz ist und bleibt der Ernstfall des Glaubens und der Nachfolge Christi. So der Glaube für uns Trost und Bestätigung bedeutet und schöne Gefühle bringt, ist es einfacher zu glauben. Doch es kommt darauf an, ebenso die Herausforderung des Christseins anzunehmen, über unseren Schatten zu springen, etwas Unangenehmes zu tun oder zu überwinden.
Fragen wir uns: Kann man an meinem Leben ablesen, dass ich zu Jesus gehöre? Unterscheide ich mich von einem Ungläubigen in meinem Lebensstil? Oder: Bin ich vielleicht nur dem Namen nach Christ, der sich am Strom anpasst und nicht anders lebt als die große Menge?
Wir wollen in Christus, dem Gekreuzigten, der Wahrheit und Hoffnung ist, bleiben, ihm nachfolgen nach bestem Wissen und Gewissen zu aller Zeit, an guten und ebenso an schlechten Tagen.
Eine gesegnete Passions- und Osterfestzeit in der Nachfolge Christi wünscht Ihnen
Kantor Roy Heyne