Das Ende des Kirchenjahres weist den Blick auf das Evangelium der klugen und törichten Jungfrauen. Dabei gibt uns Jesus die klugen Jungfrauen zum Vorbild und appelliert an die Klugheit. Jesus appelliert im Evangelium öfter an die Klugheit der Menschen als an ihre Menschlichkeit oder Moral. Klug und vernünftig handelt derjenige, welcher den Herrn ernst nimmt, seinen Worten glaubt und danach sein Leben ausrichtet. In der heutigen Welt werden gerade umgekehrt die Gläubigen als die Dummen, Naiven und Unmündigen hingestellt, die noch nicht aufgeklärt genug sind, allein glücklich zu werden und sich von der Religion bestimmen lassen. Schön dumm und blöd, sagen die, welche so leben, als ob es keinen Gott gäbe. Die Bibel sieht es umgekehrt: Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es gibt keinen Gott. Sie essen das Brot des Herrn, doch seinen Namen rufen sie nicht an. (Ps 14) Wie dumm sind die Menschen, die täglich von Gottes Gaben leben, und den Schöpfer nicht erkennen.

Dumm sind die Jungfrauen, denen der königliche Bräutigam und das Hochzeitsfest, das man ihnen ankündigte, nicht so wichtig, wohl eher egal war und die es nicht ernst genommen haben mit dem Lichterzug zum Empfang des Bräutigams. Sie gehen zwar mit den anderen Jungfrauen, jedoch ohne Öl für ihre Lampen. Als sich dann die Ankunft des Bräutigams verzögert, schlafen sie ein. Vielleicht kommt der hohe Herr am Ende gar nicht, denken sie. Aber um Mitternacht – als keiner mehr damit gerechnet hat – kommt der Königssohn. Doch da ist es zu spät, um noch Öl zu besorgen. Der Brautzug zieht fort und am Ende stehen die dummen Jungfrauen vor verschlossenen Toren und das Fest findet ohne sie statt. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Es gibt auch im Evangelium ein zu spät. Seid wachsam, sagt Jesus am Schluss. Uns zur Mahnung erzählt er die Geschichte – diese haben wir wohl nötig. Denn manchmal gleichen wir mehr den törichten als den klugen Jungfrauen und sind von der gegenwärtigen Ölkrise des Glaubens betroffen. Wir glauben irgendwie – jedoch ziemlich lustlos, halbherzig und müde. Das Licht des Glaubens ist dann kein strahlendes Licht, eher ein flackerndes Lämpchen oder glimmender Docht. Wie ernst müssen wir das Evangelium nehmen? Es ist doch nicht so wörtlich zu nehmen – mehr im übertragenen Sinn. Das meiste können die Theologen heute gut wegerklären. So denken wir und richten uns bequem in einen harmlosen und ermäßigten Glauben ein, der mit dem Fundament, dem brennenden Evangelium Jesu Christi nicht viel zu tun hat. Seid wachsam, sagt Jesus und seid klug! Denn das Evangelium kündigt an: am Ende kommt der Sohn Gottes wieder – und zwar gerade dann, wenn niemand mit ihm rechnet. Wenn wir für das himmlische Hochzeitsmahl, das große Fest der Liebe im Reich Gottes bestimmt sind, sollten wir uns um den Glauben und die Liebe, welche wir dafür brauchen, rechtzeitig bemühen – das heißt bevor es zu spät ist. Im Epheserbrief schreibt der Apostel Paulus: Seht sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus, denn die Tage sind böse. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. (Eph 5,15-20)

Bitten wir darum, dass unser Leben gelingt und einen Sinn hat, wir unsere Zeit nutzen, Frucht bringen in guten Werken und wachsen in der Erkenntnis Gottes. (vgl. Kol 1,10)

Ihr Kantor Roy Heyne